Der Wert des Lebens

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Vor etwa zwei Jahren wurde ich über die Tageszeitung „Der Standard“ auf eine spannende Aktion aufmerksam: „Österreich spricht“.

Es sollte darum gehen, gezielt mit einer fremden Person zu diskutieren die politisch und gesellschaftlich konträre Ansichten zu einem selbst hat.

Ich glaube, dass viele Menschen politische Diskussionen meiden. Besonders, wenn sie wissen, dass ihr Gegenüber womöglich anders denkt als sie selbst. Jedoch wären diese Diskussionen so wichtig! Denn es geht ja nicht darum zu klären, wer „recht“ hat sondern, möglichst alle Argumente eines Themas auf den Tisch zu bringen. Um Lösungen zu finden. Oder?

Mit dem jungen Mann, mit dem ich mich schließlich an einem Sonntag an einem öffentlichen Ort getroffen habe bin ich prompt auf ein spannendes (und für mich sehr überraschendes) Thema gekommen: Den Wert des Lebens.

Eingangs diskutierten wir die Frage ob es in Ordnung sei, Fleisch aus Massentierhaltung zu essen. Der junge Mann meinte: „Ja!“. Sein Argument: Tiere, welche in Massentierhaltung leben, hätten ohnehin nicht mehr viel zu erwarten. Man würde ihnen durch die Schlachtung nicht viel Perspektiven nehmen, sie hätten sowieso keine;

Ich fragte nach: „Du denkst also, dass Tiere, welche in Massentierhaltung leben weniger wert sind als solche, die beispielsweise in freier Wildbahn leben dürfen?“.

Er bejahte dies. Ich fragte weiter: „Dann möchte ich wissen wie du, auf uns Menschen bezogen, über Personen mit unterschiedlichen Voraussetzungen denkst. Gesunde, Kranke, Menschen mit Beeinträchtigungen?“

Er, ohne zu zögern: „Gesunde Menschen sind mehr wert als Kranke. Menschen mit Beeinträchtigungen sind weniger wert da sie weniger Arbeitsleistung bringen.“

Ich möchte nun ganz deutlich betonen, dass es sich hier NICHT um MEINE Meinung handelt. Der junge Mann hat mir auf meine konkrete Frage so geantwortet. Selbstverständlich denke ich als Sonderkindergartenpädagogin, welche sich für Inklusion einsetzt, anders: Dicke, dünnne, gesunde, kranke, alte, junge, weibliche, männliche Menschen mit und ohne Behinderung egal welcher Staatsbürgerschaft sind gleich viel wert.

Ich versuchte einen Perspektivenwechsel anzuregen: „Wie würdest du es sehen, wenn dich, sagen wir einmal, eine schwere psychische Erkrankung treffen würde? Bist du dann plötzlich weniger wert?“

Ja, meinte er, er sei dann weniger wert. Er müsse sich da eben wieder rauskämpfen. Jeder sei für sich selbst verantwortlich. Wer Probleme habe, wirtschaftliche oder gesundheitliche, müsse eben diese Probleme angehen. Der Wert des jeweiligen Lebens hänge vom Erfolg ab, welchen das jeweilige Individuum erziele.

Ich habe mit dem jungen Mann noch lange über dieses Thema diskutiert. Es war eine spannende Diskussion aber auch eine sehr Anstrengende. Wir hatten einfach eine gänzlich andere Haltung. Wir versuchten viel Verständnis für den jeweils Anderen aufzubringen um einander zuhören zu können. Wer in solch einer Diskussion aggressiv und angriffslustig reagiert verliert das Gehör seines Gegenübers. Und damit die Chance, auf dessen Haltung einwirken zu können.

Wie das Leben meiner Meinung nach aussieht wenn Menschen in Gemeinschaften gleichen Wert haben oder eben, unterschiedlichen:

Wer in einer Gemeinschaft lebt, in der er oder sie wertvoll oder wertlos geboren wird (adelig, krank, beeinträchtigt, als Frau, als Mann) dann können einige wenige das Beste aus sich herausholen. Sie können das eigene Geld, den Status, Schönheit, Charme, ganz für sich alleine nutzen.
Allerdings kann der eigene Wert, wenn er denn hoch war, auch sinken- durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, Schwangerschaft, Beeinträchtigung, Alter, falsche Heirat, Pleite… In diesem Fall gibt es kein soziales Netz. Jede Hilfe bleibt aus. Du bist ganz allein. Nun musst du einfach kämpfen.

Wer in einer Gemeinschaft lebt in der jeder gleich viel wert ist darf krank sein, schwanger, arbeitslos, alt, beeinträchtigt, reich, arm, männlich, weiblich, viel zu dick oder auch viel zu dünn. Mit ausländischen Wurzeln oder schon immer da gewesen. In Männer oder in Frauen verliebt, egal; Hässlich, schön, körperlich stark, geistig schwach; Du bist okay wie du bist.
Schickssalsschläge können dich treffen und das ist wirklich schlimm genug. Doch du weißt, es gibt ein bisschen Hilfe, vor allem aber Mitgefühl. Du bist nicht allein.

In welcher Gemeinschafst siehst du dich?

 

Alles Liebe, Vici

 

P.S.: Ich finde, dass die Tiertransporte in den Libanon zu diesem Thema passen. Wie viel sind Tiere wert?

Foto: Patrick Daxenbichler

2 Kommentare bei „Der Wert des Lebens“

  1. Avatar Elisabeth Daxenbichler sagt: Antworten

    Liebe Vici, spannendes Thema! Ich sehe mich in einer Gesellschaft bzw. in einem System, in dem man vom Sozialstaat „aufgefangen“ wird, wenn im Leben mal was schief läuft. Man hat die Chance, eine schwere Zeit zu übertauchen und wieder auf die Beine zu kommen und dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich sehe mich auch in einer Gesellschaft, in der Werte und Wertigkeit, Respekt und Toleranz anderen gegenüber – besonders anders denkenden gegenüber – zunehmend keinen „Wert“ mehr haben. Wie du geschrieben hast, geht es vor allem darum, „recht“ zu haben. Ich bewundere dich, dass du dich diesem Gespräch gestellt hast und kann mir vorstellen, dass das sehr anstrengend war. Aber es ist eben sehr wichtig, sich einer anderen Meinung anzuhören – für alle Beteiligten. Man kann ja darüber nachdenken oder auch nicht. Man kann es einfach stehen lassen. Vielleicht erweitert es ja den Horizont des einen oder anderen, eine andere Sicht auf die Dinge zu erhalten. Das heißt nicht, dass man damit einverstanden sein muss. Ich denke es ist ganz wichtig, dass wir aus diesem „schwarz und weiß Denken“ herauskommen. Und das allerwichtigste zum Thema Wert / Wertigkeit ist: Was bin ICH wert? Für mich. Wie sehe ICH mich? Woran messe ich meinen eigenen Wert? Am Außen? An der Gesellschaft? Daran, was andere über mich denken? Ich meine, es ist ganz wichtig, dass wir uns mit uns selbst auseinandersetzen. Ganz tief in unserem Herzen, denn da finden wir unser wahres ICH. Versuchen wir, aus dem Herzen zu handeln, nicht aus dem Verstand heraus. Der begrenzt uns zu sehr. In unseren Herzen wohnt auch das Mitgefühl. Lassen wir es doch heraus, ganz besonders auch für die Tiere. Es ist furchtbar, was wir ihnen antun. Sie können sich nicht wehren. Und du hast recht, wenn man die Meinung von manchen Menschen dazu hört, ist das sehr ernüchternd und erschreckend. Aber sie denken halt so. Ich nicht, ich mach es anders. In meinem kleinen Bereich, in meiner „kleinen Welt“, im Rahmen meiner Möglichkeiten mach ich es anders. Und ich versuche nicht, jemandem meine Meinung aufzuschwatzen. Ich sag sie. Punkt. Aber ich hoffe natürlich schon, dass sich immer mehr Menschen auf ihr Herz besinnen und nicht mehr so gedankenlos weitermachen. So, jetzt ist die Luft heraußen … 🙂 Bussi, lg Elisabeth

    1. Liebe Elisabeth, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich sehr dass du dir die Zeit genommen hast so ausführlich zu schreiben was du zu dem Thema denkst! Alles Liebe, hoffentlich bis bald! Vici 🙂

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