Im Krankenstand

Ich erzähle unverblümt und frei von der Leber weg wie es mir geht, wenn ich krank bin.

Wenn ich krank bin, versuche ich dies erst zu leugnen.

Beim letzten Mal bin ich eine riesengroße Runde spazieren gegangen weil ich sicher war, ich hätte nur Kreislaufprobleme. Über meinen schwachen Kreislauf und die Gliederschmerzen habe ich mich furchtbar aufgeregt. Ich müsste einfach meinen Kreislauf ankurbeln, habe ich behauptet. Erst als es mir stetig schlechter ging räumte ich ein es könnte sich doch um Fieber handeln.

Sobald es sich nicht mehr leugnen lässt krank zu sein mutiere ich von der starken Amazone zum Riesenbaby. Ich bin so richtig arm und entwickle einen wahren „Männerschnupfen“.

Wer am Wochenende krank wird ist normalerweise stinksauer, ich jedoch bin eigentlich meist erleichtert weil ich dann in Ruhe und ganz ohne schlechtem Gewissen leiden kann.

Naht der nächste Arbeitstag nehme ich Symptome wie hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Schwindel, schlimme Magen- oder Darmbeschwerden dankbar zur Kenntnis. Denn dann ist klar: Ab in den Krankenstand! Ganz ohne schlechtem Gewissen!

Sind die Symptome nicht „schlimm genug“ prüfe ich stündlich: Bin ich krank genug um zu Hause zu bleiben? Oder erwartet die Welt möglicherweise von mir, dass ich ein paar Tabletten einwerfe und mich durchbeiße?

Früher bin ich immer zur Sicherheit arbeiten gegangen und habe den Kollegen vorgeführt wie arm ich bin bevor ich mich von der Chefin nach Hause schicken ließ. Bisher hatte ich immer sehr wohlwollende Chefinnen, diesbezüglich;

Mittlerweile ist mir meine große Verantwortung bewusst und daher prüfe ich gewissenhaft ob ich fit genug bin um auf viele laute, kleine Kinder aufzupassen. Und ob ich sie möglicherweise anstecken könnte.

Wenn die Entscheidung getroffen wurde Krankenstand in Anspruch zu nehmen bin ich plötzlich nicht mehr arm. Ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen, rede mir ein es ginge mir viel zu gut um daheim zu bleiben und finde meine Symptome zu schwach.

Am ersten Arbeitstag bin ich froh, zu Hause geblieben zu sein. Meine Arbeit ist echt anstrengend. Vor allem wenn man nicht fit ist.

 

Wie geht es dir wenn du krank bist?

Alles Liebe, Vici

 

Bild: Patrick Daxenbichler

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