Schwarze Gedanken

Das Leben ist schön!

Doch es ist kaum zu genießen mit Schwarzen Gedanken im Kopf.

Mit schwarzen Gedanken vor Augen, die einem die Sicht vernebeln auf den Sonnenaufgang. Die ersten Schneeflocken, die bunten Herbstblätter, die Frühlingsblumen; Ein grauer Schleier legt sich über ALLES.

Schwarze Gedanken sind laut. Wenn sie da sind hört man nichts anderes mehr. Keine lieben Worte, kein Lob. Kein: „Ich hab dich gern!“. Oder: „Wie kann ich dir helfen?“

Schwarze Gedanken sind schwer. Morgens sitzen sie auf der Brust und machen es kaum möglich zu atmen. Sie beschweren die Glieder und erschweren das Aufstehen.

Zwischen zwei Menschen machen sich Schwarze Gedanken breit, auch wenn nur einer sie trägt. Kein Lächeln dringt durch und kein Gespräch.

Du wirst es mir nicht erzählen, aber hast du schon einmal so gefühlt? Es ist schrecklich, nicht wahr?
Und das schlimmste: Schwarze Gedanken sind unsichtbar.

Niemand kann sehen wenn du Schwarze Gedanken mit dir herumschleppst. Sie sind vielleicht dein Geheimnis. So lange, bis sie zu schwer werden. Schwarze Gedanken sind gefährlich, sie führen oft zum Tod. Denn sie sind kaum zu ertragen. Also verständlich.

Verständlich? Dass man WAS tut…?

Ja…also….du weißt?

…? Das? Schrecklich! Also? Was tun? Mit schwarzen Gedanken?

Das ist keine einfache Frage. Auf jeden Fall: Durchhalten!

Wie, durchhalten? Was meinst du damit?

Ich meine damit: Durchhalten. Bis sie wieder gehen. Die Gedanken. Die schlimmen Gedanken.

Und wie machst du das?

Ich lasse sie ziehen. Manchmal höre ich ihnen erst ein bisschen zu bevor ich bemerke, dass es Schwarze Gedanken sind. So lange ich ihnen Glauben schenke, sind sie ziemlich mächtig, das gebe ich zu. Und laut! Aber ich kenn‘ sie ja schon. Das macht es leichter. Also mache ich, was ich immer mache:

Ich gehe arbeiten, treffe nette Leute, gehe spazieren, koche mir was, schlafe genug, trinke Tee, fahre mit dem Rad, höre Musik, tröste mich wenn ich traurig bin, male meine Fingernägel an, gehe zum Frisör, telefoniere, schreib‘ in mein Tagebuch, schau mir Filme an, liege am Sofa, wasche Wäsche und hänge sie auf.

Nach ein paar Stunden, Tagen, Wochen, Monaten waren sie bisher immer irgendwann fort.

Fort? Wirklich?

Ja wirklich. Und dann ist klar: Das Leben ist schön!

 

Bild: Patrick Daxenbichler

 

 

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