Unterwegs mit Zombies

Ich lebe in der Stadt und daher versuche ich meinen Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Heute erzähle ich dir von den Zombies, die gemeinsam mit mir im Bus sitzen:

Ihre Mimik ist realtiv ausdruckslos. Ihr Kopf hängt generell eher nach unten. Der Rücken ist zu einem leichten Buckel gekrümmt. In einer Hand halten die Zombies eine viereckige Maschine die sie mit dem Zeigefinger der anderen Hand in wischenden Bewegungen bedienen. Die Zombies scheinen ihre Umgebung überhaupt gar nicht wahrzunehmen. Sie sind hauptsächlich mit der Maschine in ihrer Hand beschäftigt.

Ich habe gehört, dass man früher überlegt hat den Zombies Chips zu implantieren die dann abspeichern könnten wohin die Zombies gehen, was die denken, was und mit wem sie reden oder was sie interessiert;

Dann hat man gemerkt dass die Zombies all diese Dinge freiwillig in die kleinen viereckigen Maschinen eingeben.

Es ist wirklich spannend: Die Zombies glauben, dass sie die kleine Maschine brauchen. Sie glauben, dass sie die Maschine glücklich macht. Es fällt ihnen unglaublich schwer, sie wegzulegen. Und das hat einen Vorteil: Je mehr man über jeden einzelnen Zombie weiß, desto mehr hat man ihn in der Hand;

Dann beobachte ich, morgens im Bus, plötzlich etwas Außergewöhnliches:

Ein Zombie beschließt, die Maschine einzustecken und schaut auf. Schaut mir mitten in die Augen.

Eine junge Frau. Sie steckt das Handy in die Tasche. Schaut aus dem Fenster. Und sieht am Horizont das Morgenrot.

Jeden Morgen sitze ich auf meinem Weg in die Arbeit mit Zombies im Bus. Sie sehen den wunderbar rötlich-grauen Himmel nicht, den Nebel, der über den Feldern hängt, auch nicht das Lichterspiel der vielen Autos, mit denen sich der Bus die Straße teilt; Vor allem aber nehmen sie die anderen Passagiere im Bus nicht wahr.

Ich würde lügen, würde ich behaupten dass ich nie ein Zombie bin.

 

Wirst du auch zum Zombie mit deinem Handy in der Hand? Ich schon. Ich finde das etwas unheimlich und fast „Science Fiction“ eigentlich auch… Wenn man bedenkt dass wirklich Vieles was man am Handy tut auch irgendwo abgespeichert wird und die eigenen Daten zumindest für Werbezwecke gezielt verwendet werden können?

 

Das Foto ist wie immer von Patrick Daxenbichler 🙂

 

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