Vom Pöbeln und von Auto-Eiern

Warnung! Dieser Beitrag enthält Hosentaschenpsychologie!

Mir ist schon vor Jahren folgendes aufgefallen: Wer sich an der Supermarktkassa dick und breit macht wird selten richtig angepöbelt. Auch wenn du dir still und heimlich einen besseren Platz in der Schlange erschleichst oder dich zu langsam vorwärts bewegst erntest du höchstens ein (berechtigtes) „Entschuldigen Sie? Ich war zuerst dran!“. Auch genervte Blicke sind möglich.

Mein Freund sagt, als ich ihm diesen Text vorlese: „Ja reicht das nicht? Zu sagen: ,Ich war zuerst dran?'“ Er versteht noch nicht ganz, worüber ich erzählen will. Ich erkläre es ihm: „Ich will darüber erzählen, wie man in unterschiedlichen Situationen mit unbekannten Mitmenschen umgeht. Höflich, schüchtern, zurückhaltend oder besserwisserisch, rüpelhaft, grob; Besonders, wenn wir uns ärgern!“

Denn die Protoeste auf ähnliches Verhalten im Straßenverkehr sind zum Beispiel vergleichsweise heftig:

In der Stadt ist Stau. Die Ampel wird grün. Und gleich wieder rot. „Es könnte sich ausgehen“, denkst du und schon stehst du mitten auf der Kreuzung. Du hast dich hinübergedrängelt, vielleicht gar nicht mit Absicht, sondern aus purer Dummheit. Die anderen Verkehrteilnehmer finden das gar nicht cool.
Es wird gehupt, wüste Gesten werden dir gezeigt. Vielleicht kurbelt sogar jemand das Fenster hinunter, du erntest Schimpfwörter und: „Kann man sich nicht einmal an die Regeln halten“, „Wenn wir hier alle so rumdrängeln würden“, „Fahr weiter!“, etc.

Gerade letztens habe ich wieder einen Fehler gemacht auf der Straße, ich saß auf dem Fahrrad- keine gefährliche Situation, jedoch musste ein Autofahrer einen kleinen Augenblick vom Gas gehen. Sofort habe ich eine besserwisserische Geste geerntet. ‚Da hättest du dich einordnen müssen. Du hast mich warten lassen, Nervensäge!‘, würde ich seine Geste übersetzen.

Warum ist das so auf der Straße? Warum traut man sich da so unfreundlich, rüpelhaft, grob zu reagieren?

Mein Freund sagt, das nennt man „Auto-Eier“. Angeblich gibt es auch „Telefon-Eier“. Von „Eier in der Hose haben“ für: Mutig sein. Macht es Mut seinem Gegenüber nicht in die Augen schauen zu müssen?

Ist Mut das richtige Wort hierfür?

Die Autofensterscheibe, der Computerbildschirm, die körperliche Abwesenheit unseres Gesprächspartners beim Telefonieren, all das trennt uns irgendwie von unserem Gegenüber, mit dem wir kommunizieren. Manche Menschen scheinen zu vergessen, dass unser Gegenüber, auch wenn es beispielsweise hinter einem Bildschirm sitzt, auch Gefühle hat. Und dass er uns nichts böses will.

Ich glaube schon, dass wir versuchen sollten weniger feindselig zu sein. Auch wenn eine Autofensterscheibe uns glauben lässt, wir dürften das gerade.

Wie reagierst du, wenn du dich ärgerst?

Alles Liebe, Vici

Foto: Patrick Daxenbichler

 

 

 

Ein Kommentar bei „Vom Pöbeln und von Auto-Eiern“

  1. Avatar Peter Mooslechner sagt: Antworten

    „Hosentaschenpsychologie“ – kreative Wortschöpfung Vici !!!! 👍

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