Wohin mit dem Krempel?

Wir sind vor kurzem umgezogen. Unsere neue Wohnung ist wunderschön, wie wir finden.

Allerdings leben wir „kleiner“ als wir es uns gewünscht hätten. Immerhin sind wir, mein Liebster und ich, beide recht verwöhnt groß geworden. Unsere Eltern haben jeweils eine recht geräumige Immobilie für die Sesshaftwerdung finden können.

Nun ahmen wir derzeit leider nicht das nach, was unsere Eltern vorgelebt haben: Das großzügige Leben in Haus mit Keller und Garten; Wir müssen uns mit weniger Platz zufrieden geben.

(allerdings muss man dazu sagen dass wir ausreichend Platz haben, eben nur weniger als dazumal als Kinder- es ist schon Jammern auf hohem Niveau!!)

Aus diesem Grund war ich die letzen Wochen sehr fleißig darin meinen ganzen „Krempel“- wie ich die Gesamtheit meiner Besitztümer wenig liebevoll zu nennen pflege – durchzuräumen und auszumisten.

Ich habe einfach Angst davor, dass unsere Wohnung zu schnell zu voll wird. Ich bin also eine erfahrene „Umräumerin, Durchräumerin, Ausmisterin“.

Pünktlich zum bevorstehenden „Black Friday“- DEM Tag mit Mega Deals, Prozenten, Rabatten und Verlockungen Einzukaufen was man braucht oder nicht braucht – liefere ich dir daher einige Gedanken zum Thema „Besitzmanagement“.

Lass es mich am Beispiel eines überfüllten Schrankes erklären:

Vor dir steht ein großer, überfüllter Schrank. Neben dir ein großer schwarzer Müllsack. Du öffnest die rechte Flügeltür des Schrankes. Schon fällt dir von ganz oben eine ganze Kiste voller Krimskams entgegen, sagen wir, Haargummis, Münzen, Büroklammern. Entnervt begibst du dich auf den Boden um alles zrück in die Kiste zu geben. In gebückter Haltung fallen dir rechts unten einige alte CD’s ins Auge. Du überlegst ob du überhaupt noch ein Abspielgerät besitzt. Ja, ebenfalls in diesem Schrank, links oben.

Es packt dich die Neugierde. Du hörst in einige der CD’s hinein. Verständnislos schüttelst du den Kopf wenn du selbst gebrannte CD’s in die Hand nimmst, die nicht einmal beschriftet sind. Anfangs wirfst du zwei oder drei CD’s nur zögerlich in den Müllsack. Dann packt es dich: Fast die ganze Sammlung wandert in den Müll.

Und überhaupt packt es dich. Der eine Müllsack reicht dir nicht. Zuletzt stehen 4 komplett gefüllte Müllsäcke vor dir, der Schrank ist zu zwei Dritteln leer. Am nächsten Tag in der Arbeit brüstest du dich damit endlich wieder einmal ordentlich ausgemistet zu haben.

Nun ein paar Fragen an dich:

  1. Wohin räumst du die Sachen, die du an Black Friday kaufst?
  2. Wie wird der Schrank in zwei Jahren aussehen?
  3. Was wirst du mit den Sachen, die du an Black Friday kaufst machen, wenn der Schrank wieder zu voll ist?
  4. Warum kaufst du so viel an Black Friday?

Ich wundere mich schon ein wenig, dass wir den Verlockungen der Werbung so verlässlich zum Opfer fallen. Wir halten den Konsummotor freiwillig am Laufen und machen uns obendrein eine Menge Arbeit damit. Denn woher kommt das ganze Geld, mit dem wir die schönen Dinge kaufen, von denen wir vor dem Sonderangebot noch gar nicht wussten, dass wir wie brauchen?

Richtig. Von unserem 40-Stunden Job.

Letztendlich müssen wir uns dann überlegen was wir mit dem Überfluss an Dingen anstellen, wie wir sie lagern, sortieren oder auch aus-sortieren. Was aussortiert wird muss entweder gleich in den Müll oder wird mühselig abfotografiert um einen Weiterverkauf im Internet zu versuchen.

Wann wir das machen? In unserer Freizeit.

Hier ein wirklich wunderbares Zitat:

„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen

Von Geld, das wir nicht haben

Um Leuten zu gefallen, die wir nicht mögen“

Und auch wenn wir unser Bestes tun, unsere alten Sachen weiter verkaufen, verschenken oder spenden:

Alles landet irgendwann, irgendwo im Müll.

Was denkst du über das Einkaufen?
Bist du ein Shopping-King, eine Shopping-Queen?

 

Alles Liebe und bis bald, Vici

 

P.S.: Leider habe ich wieder mal nicht recherchiert, aber nur so viel: Kleiderspenden fühlen sich zwar gut an weil man denkt, die alten Sachen würden noch irgend jemandem helfen; Oftmals landen unsere alten Kleider jedoch in ganz armen Ländern wo diese billigst und massenweise weiterverkauft werden. Dadurch wird die dortige Wirtschaft komplett zerstört. Also gegen die Müll-Flut an Kleidung hilft so weit ich weiß, wirklich nur weniger zu kaufen. Wer genau erklären kann welch Schindluder mit unseren alten Sachen noch getrieben wird, möge mich bitte in den Kommentaren an seinem Wissen teilhaben lassen!! Danke!

 

Foto: Patrick Daxenbichler

 

 

 

2 Kommentare bei „Wohin mit dem Krempel?“

  1. Hi liebe Vici,
    ich bin auch kein Fan vom Black-Friday und überhaupt der ganzen Konsumgesellschaft, in der wir leben. Obwohl ich versuche seit Jahren dahingehend bewusstere Entscheidungen zu treffen, lass ich mich hin und wieder von Schnäppchen oder einer unüberlegten Shoppingtour, die zwar nichtmal annähernd an frühere Ausmaße herankommt, hinreißen. Man gibt aber trotzdem sein Bestes und deswegen find ich Aufklärung und die Anregung zum Nachdenken, wie es dein Blogpost leistet, ganz wichtig!
    Was ich aber fast noch schlimmer finde, als diesen ganzen mindfuck, den wir durch die Werbung mit uns machen lassen, ist das greenwashing. Das ist tatsächlich ein Phänomen, dass vorwiegend gebildete Menschen aus Milieus mit eher hohem sozio-ökonomischen Stauts, betrifft: kaufen für das gute Gewissen. Weils eh aus recycelten Materialien besteht, aus Plastikmüll, der aus den Meeren kommt, weil man den Müll damit vermeidet, bestehenden Müll reduziert und Ressourcen schont und ganz nebenbei noch die Erde rettet. Hört sich doch toll an oder? Tja … nur leider ist das ein großes Konstrukt aus Lügen, dass sich Firmen wie H&M, Nespresso und wo man sonst hinschaut, ausdenken, um noch mehr Gewinne zu generieren. Im Übrigen gilt die Modeindustrie als zweitgrößter Umweltverschmutzer und man spricht mittlerweile nicht umsonst von „fast fashion“.
    Richtig nachhaltiges und „faires“ Shoppen ist teuer, aber auch da gibt es schon wirklich eine große Auswahl an (kleineren) Marken, die tatsächlich an ressourcenschonender Produktion interessiert sind. Im Endeffekt ist es aber so, wie du im P.S. anführst: das Einzige, was hilft keinen Müll zu produzieren, ist Second Hand Shoppen. Egal ob das Kleidung, Möbel oder Elektroartikel sind.
    Ein empfehlenswertes Buch zum Thema ist übrigens der Titel „Die grüne Lüge: Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“ von Kathrin Hartmann (gibt es auch als Dokumentationsfilm).
    Alles Liebe aus Wien!
    Julia

    1. Hallo Julia, danke für deinen Kommentar! Wow, das was du da schreibst finde ich so wichtig und genau darum geht es: Hinter die Kulissen zu blicken, vielleicht einmal nachzufragen, das eigene Tun zu überdenken und vor allem auch den Versuch zu wagen hinter „Werbelügen“ zu blicken; Bildung, kritisches Denken und Neugierede sind meiner Meinung nach der Schlüssel zu einer gesunden (Um)Welt… Kommentare wie deiner sind Gold wert, denn offensichtlich hast du schon gründlich recherchiert! Respekt! Liebe Grüße zurück! 🙂

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